Gertrud Simmel (alias M.  L.  Enckendorff),
*1864, †1938
Die ausgebildete Lehrerin heiratete 1890 den Philosophen Georg Simmel, ein Jahr später wurde der Sohn Hans geboren. Sie verfolgte intensiv und kritisch das Werk ihres Mannes, entwickelte aber auch einen eigenständigen Ansatz. Weil ihr Mann bereits sehr bekannt war, schrieb sie unter dem Pseudonym Marie Luise Enckendorff. Nach dem Tod ihres Mannes 1918 zog sie zur Familie des Sohnes. Sie kümmerte sich lange um ihre Enkelkinder, da beide Eltern als Ärzte berufstätig waren. Simmel hinterließ mehrere Schriften zu unterschiedlichen Themen. Das Religiöse nimmt dabei eine zentrale Stellung ein. Sie ging von einer metaphysischen Verbundenheit von Mensch, Welt und Gott aus. Um diese zu erfahren, muss der Mensch aber seiner Dualität von Geist und Instinkt entgegenwirken. Sie kritisierte zudem die Kirche, dass sie im Jenseits lebe, anstatt die Probleme der Industriegesellschaft anzugehen. Der Frauenbewegung riet sie, dass sich die Frau eigenständig, und nicht als Opposition zum Mann, entwerfen und entwickeln sollte.
 
©  Lebensweisheiten berühmter Philosophinnen, Stefan Knischek, Humboldt Verlags GmbH 2006 S. 276f
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